ECU-Glossar

Sprich die Sprache
des Steuergeräts.

Alle Fachbegriffe der ECU- und Chiptuning-Welt klar erklärt. Von DPF bis DAMOS, von Stage 1 bis WinOLS — das komplette Wörterbuch für Profis und Enthusiasten.

A

A2L

Symbolische Beschreibungsdatei (ASAP2 Language), die eine DAMOS-Datei begleitet. Sie enthält die Struktur der ECU-Kennfelder mit Namen, Achsen, Umrechnungsfaktoren und Maßeinheiten und macht die Binärdaten des Steuergeräts lesbar.

AdBlue

System der selektiven katalytischen Reduktion (SCR) bei Euro-5/6-Dieselmotoren. Es spritzt Harnstoff in die Abgasanlage ein, um die NOx-Emissionen zu senken. Es kann per ECU-Software deaktiviert werden (Emulation).

Anti-Lag

System, das den Turbolader auch bei geschlossenem Gas unter Druck hält, indem es eine verzögerte Verbrennung im Abgas erzeugt. Es eliminiert das Turboloch beim Kurvenausgang oder beim Gangwechsel. Ursprünglich aus dem Rallyesport, wird es heute auch bei sportlichen Straßenumbauten eingesetzt.

B

Banco dinamometrico

Professionelles Gerät zur Messung der realen Leistung und des Drehmoments eines Fahrzeugs am Boden. Unverzichtbar für die Kalibrierung von Stage-2- und Stage-3-Remappings. Die auf dem Prüfstand gemessenen Werte (PS und Nm) sind die realen Werte an den Rädern und niedriger als die vom Hersteller an der Kurbelwelle angegebenen.

BDM

Background Debug Mode — Methode zum direkten Lesen/Schreiben des ECU-Speichers über physische Kontakte auf der Platine. Wird verwendet, wenn der OBD-Anschluss nicht verfügbar oder das Steuergerät geschützt ist.

Boost pressure

Ladedruck des Turboladers, ausgedrückt in BAR oder PSI. Einer der wichtigsten Parameter, die beim Remapping geändert werden, um die Motorleistung zu steigern.

C

CAN bus

Controller Area Network — serielles Kommunikationsnetzwerk, das alle Steuergeräte des Fahrzeugs miteinander verbindet (ECU, TCU, ABS, Airbag usw.). Es ermöglicht den Datenaustausch in Echtzeit ohne Punkt-zu-Punkt-Verkabelung. Es ist das Standard-Kommunikationsprotokoll in allen modernen Fahrzeugen.

Checksum

Mathematisch berechneter Kontrollwert der ECU-Datei. Er muss nach jeder Änderung korrekt neu berechnet werden, sonst weist das Steuergerät die Datei ab oder geht in den Schutzmodus.

Common Rail

Hochdruck-Diesel-Einspritzsystem, bei dem sich alle Injektoren eine gemeinsame Verteilerleiste teilen. Es ermöglicht mehrere Einspritzungen pro Zyklus und Drücke bis zu 2500 BAR in den neuesten Versionen.

CPC

Akronym mit zwei Bedeutungen in der Automobilwelt. (1) Common Powertrain Control: Gerät zur elektronischen Steuerung der Kraftstoffmischung und -verbrennung zur Emissionsbegrenzung. (2) Central Powertrain Computer (Mercedes-Benz): koordinierendes Steuergerät des Antriebsstrangs bei Modellen ab 2018, das Drehmoment, Gaspedal, aktive Abgasklappen und Geschwindigkeitsbegrenzer verwaltet.

CRC

Cyclic Redundancy Check — ein Fehlererkennungsalgorithmus zur Überprüfung der Datenintegrität bei der Übertragung in den digitalen Netzwerken der Fahrzeuge, etwa im CAN-Bus-Protokoll (Controller Area Network) oder Modbus.

D

DAMOS

Datenbank mit der symbolischen Beschreibung aller Parameter eines bestimmten Motorsteuergeräts. Sie verwandelt eine binäre ECU-Datei in verständliche und bearbeitbare Kennfelder mit echten Namen, Achsen und Werten.

DPF

Diesel Particulate Filter — Partikelfilter bei modernen Dieselmotoren. Er hält die bei der Verbrennung entstehenden Feinstäube zurück. Seine Software-Entfernung (DPF off) ist eine der gefragtesten ECU-Änderungen.

DTC

Diagnostic Trouble Code — Fehlercode, der vom Steuergerät erzeugt wird, wenn es eine Störung erkennt. Mit dem Remapping können bestimmte DTCs deaktiviert werden, die mit entfernten oder geänderten Komponenten zusammenhängen.

E

E85

Kraftstoff, der zu 85 % aus Ethanol und zu 15 % aus Benzin besteht. Er hat eine sehr hohe Oktanzahl (etwa 108 ROZ), was ihn ideal für gechippte Turbomotoren macht. Er erfordert eine ECU-Softwareumstellung (Flex Fuel) und oft Hardware-Änderungen an Injektoren und Kraftstoffpumpe.

ECU

Engine Control Unit — das Motorsteuergerät. Es ist der Computer, der alle Betriebsparameter des Motors verwaltet: Einspritzung, Zündung, Turbo, Lambda, Emissionen und vieles mehr.

EDC17

Bosch-ECU-Plattform für Dieselmotoren der neuen Generation. Sie ist eines der am weitesten verbreiteten Steuergeräte in europäischen Fahrzeugen und eines der meistbearbeiteten im professionellen Chiptuning.

EGR

Exhaust Gas Recirculation — System, das einen Teil der Abgase in den Motor zurückführt, um die NOx-Emissionen zu senken. Es kann zu Verkokungsproblemen und Leistungsverlust führen; die Software-Deaktivierung (EGR off) ist sehr verbreitet.

EVAP

System zur Rückgewinnung von Kraftstoffdämpfen aus dem Tank. Es kann per ECU bei Renn- oder umgebauten Fahrzeugen deaktiviert werden, bei denen der Serientank ersetzt wird.

F

Flat Shift

Funktion, die den Gangwechsel ermöglicht, ohne das Gaspedal vollständig loszulassen, und dabei das Drehmoment während des Schaltvorgangs auf Maximum hält. Wird häufig im Rennsport verwendet.

Fuel Map

Kraftstoff-Einspritzkennfeld im Steuergerät. Es legt die eingespritzte Kraftstoffmenge in Abhängigkeit von Drehzahl und Last fest. Es ist eines der grundlegenden Kennfelder beim Remapping.

G

GPF

Gasoline Particle Filter — siehe OPF. Partikelfilter für Benzin-Direkteinspritzer, eingeführt mit Euro 6d. Gleiches Konzept wie der Diesel-DPF, angewendet auf Benzinmotoren.

H

Hard Cut

Drehzahlbegrenzer, der durch abruptes Abschneiden von Einspritzung oder Zündung beim Erreichen der Höchstdrehzahl eingreift. Im Gegensatz zum Soft Cut, der den Eingriff stattdessen schrittweise vorzieht.

I

Injection Timing

Einspritzbeginn — der genaue Zeitpunkt, zu dem der Kraftstoff in den Zylinder eingespritzt wird, bezogen auf den oberen Totpunkt des Kolbens. Er beeinflusst direkt Leistung, Drehmoment, Verbrauch und Emissionen.

Injection Quantity

bezieht sich auf die genaue Kraftstoffmenge, die der Injektor während eines einzelnen Einspritzzyklus in den Brennraum oder den Ansaugkanal abgibt.

Injection Qauntity Deviation

In der VAG-Diagnose (Volkswagen/Audi) zeigt dieser Messwert die Differenz zwischen der im jeweiligen Zylinder eingespritzten Menge und dem Durchschnitt der anderen Zylinder an, nützlich zum Erkennen defekter Injektoren.

K

KAT OFF / L20

Software-Deaktivierung der Lambdasonde nach dem Katalysator (Downstream-Sonde L2/O2). Sie ermöglicht das Entfernen der Fehlersignale zum Katalysator, wenn dieser ausgebaut wird.

Knock

Anomale Detonation des Kraftstoffs im Zylinder, bevor der Zündfunke kommt. Das Steuergerät erkennt sie über spezielle Sensoren und nimmt den Zündzeitpunkt zurück, um sich zu schützen. Der Knock Fix korrigiert diese Strategie.

L

Lambda

Verhältnis zwischen dem tatsächlichen Luft-Kraftstoff-Gemisch und dem idealen stöchiometrischen. Lambda = 1 bedeutet ein perfektes Gemisch. Werte unter 1 bedeuten ein fettes Gemisch (mehr Kraftstoff), über 1 ein mageres Gemisch (mehr Luft).

Launch Control

Funktion, die den Motor beim Start auf einer voreingestellten Drehzahl hält und so von Anfang an maximale Traktion ermöglicht. Wird häufig bei Rennen und Drag Races verwendet.

M

MAF

Mass Air Flow — Sensor, der die vom Motor angesaugte Luftmasse misst. Er ist einer der wichtigsten Sensoren im ECU-Management: Ein defekter oder nicht kalibrierter MAF verursacht Leistungsverlust, Rauchentwicklung und anormalen Verbrauch.

MAP Sensor

Manifold Absolute Pressure — Absolutdrucksensor im Ansaugkrümmer. Er misst den Luftdruck vor dem Eintritt in die Zylinder. Grundlegend für das Turbo-Management: Er wird beim Remapping oft skaliert, um höhere Ladedrücke zu verwalten.

MED17

Bosch-ECU-Plattform für Benzin-Direkteinspritzer (FSI, TFSI, TSI). Sie gehört zu den am weitesten verbreiteten Steuergeräten in Fahrzeugen des VAG-Konzerns (Volkswagen, Audi, Seat, Skoda).

O

OBD

On-Board Diagnostics — standardisierte Diagnoseschnittstelle, die seit 2001 in allen Fahrzeugen vorhanden ist. Sie ermöglicht das Lesen/Schreiben des Steuergeräts ohne Ausbau, mithilfe spezieller Programmiergeräte.

OPF / GPF

Otto Particle Filter / Gasoline Particle Filter — Partikelfilter für Benzin-Direkteinspritzer, eingeführt mit der Euro-6d-Norm. Er kann wie der Diesel-DPF per Software deaktiviert werden.

P

Piggyback

Zusatzsteuergerät, das zwischen die originale ECU und die Motorsensoren geschaltet wird und die ein- und ausgehenden Signale verändert, um das Motorverhalten zu beeinflussen. Eine Alternative zum direkten ECU-Remapping, aber weniger präzise und stabil. Es verändert die Originalsoftware des Steuergeräts nicht.

Pops & Bang

Funktion, die beim Gaswegnehmen Knallgeräusche und Flammen aus dem Auspuff erzeugt, indem die Zündung nach dem Schließen des Gaspedals verzögert wird. Im Sportbereich wegen des Klangeffekts sehr geschätzt.

Pop Corn

Extreme Variante des Pops & Bang mit häufigeren und intensiveren Knallgeräuschen. Sie erfordert eine präzise Kalibrierung, um Abgaskomponenten nicht zu beschädigen.

S

SCR

Selektive katalytische Reduktion. Eine fortschrittliche Technologie für Dieselmotoren, um die Stickoxid-Emissionen (NOx) drastisch um bis zu 90-95 % zu senken. Das System spritzt ein flüssiges Additiv namens AdBlue in die Abgase ein und wandelt die NOx in unschädlichen Stickstoff und Wasserdampf um.

Soft Cut

Drehzahlbegrenzer, der vor der Höchstdrehzahl schrittweise eingreift und Einspritzung oder Zündung progressiv reduziert. Im Gegensatz zum Hard Cut ist er sanfter und schont den Motor mehr. Wird bei Straßenfahrzeugen eingesetzt, bei denen der Komfort Vorrang hat.

Stage 1

Grundlegendes ECU-Software-Remapping ohne Hardware-Änderungen. Es nutzt die vom Hersteller belassene Sicherheitsreserve, um Leistung und Drehmoment zu steigern und dabei Zuverlässigkeit und Lebensdauer des Motors zu erhalten.

Stage 2

Fortgeschrittenes Remapping, das passende Hardware-Änderungen erfordert: Downpipe, Ladeluftkühler, Sportfilter. Es ermöglicht dank des verbesserten Luftstroms größere Zuwächse als Stage 1.

Stage 3

Extremes Remapping mit umfangreichen Hardware-Änderungen: aufgerüstete Turbine, größere Injektoren, verstärkte Kraftstoffpumpe. Vorbehalten für Renn-Umbauten oder den Einsatz auf der Rennstrecke.

Swirl flap

Drallklappen im Diesel-Ansaugkrümmer, die Turbulenzen erzeugen, um die Verbrennung bei niedrigen Drehzahlen zu verbessern. Sie sind bruchanfällig und können per ECU deaktiviert werden (Swirl off).

T

TCU

Transmission Control Unit — Steuergerät des Automatik- oder DCT-Getriebes. Wie die Motor-ECU kann es neu programmiert werden, um Schaltzeiten, Kupplungsmanagement und sportliches Verhalten zu verbessern.

TVA

Zusätzliche Drosselklappe bei einigen Dieselmotoren. Sie kann per ECU deaktiviert werden, um das Bruchrisiko zu beseitigen und das Ansaugsystem zu vereinfachen.

Torque Limiter

Vom Hersteller per Software vorgegebener Drehmomentbegrenzer, oft zum Schutz des Getriebes oder anderer Antriebsstrangkomponenten. Beim Remapping wird er entfernt oder angehoben, um das reale Drehmoment des Motors freizugeben.

Turbo Lag

Reaktionsverzögerung des Turboladers zwischen dem Moment des Gasgebens und dem tatsächlichen Druckaufbau des Turbos. Sie wird durch die Trägheit der Turbine verursacht. Modifikationen wie Anti-Lag, Launch Control und Stage-1/2-Remappings reduzieren dieses Phänomen erheblich.

V

VMAX

Elektronischer Höchstgeschwindigkeitsbegrenzer. Er kann per ECU entfernt oder geändert werden. Bei vielen europäischen Fahrzeugen liegt das Werkslimit aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Herstellern bei 250 km/h.

W

Wastegate

Ablassventil des Turboladers, das den Ladedruck regelt, indem es einen Teil der Abgase umleitet. Es kann extern (Aftermarket) oder intern (serienmäßig) sein. Beim Remapping wird die Wastegate-Steuerung optimiert, um den Ladedruck präzise zu kontrollieren.

WinOLS

Professionelle Software zum Bearbeiten von ECU-Dateien. Sie ermöglicht das Anzeigen, Bearbeiten und Speichern von Motorkennfeldern im 3D-Grafikformat. De-facto-Standard im professionellen Chiptuning.

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